Deutscher Hörbuchpreis 2005
Preisträger der Kategorie „Das besondere Hörbuch“:
Parlando. Edition Christian Brückner
Waltraut und Christian Brückner
Begründung der Jury

Was kann eine Stimme und das Programm eines Hörbuchverlages verbinden? Eine Stimme kann „Programm“ sein, Markenzeichen, Prädikat für herausragende Vorlesekunst. Das ist die erste, die wichtigste Verbindung von Christian Brückner und dem Programm des von ihm und seiner Frau Waltraud initiierten Hörbuch-Labels „Parlando“. Aber seine Stimme und das „Parlando“-Programm verbindet noch etwas Subtileres: das Zögern. Jedem Satz, den Brückner auf den Hörbüchern von „Parlando“ spricht, hört man an, daß seine Worte vorher gewogen wurden, nach-gedacht, in den Rhythmen des Textes verortet wurden. Das verlangt ein Zögern, ein Sich-dem-Text-Überlassen. In diesem Sinne ist das Prädikat „Die Stimme“, das oft auf Brückner angewandt wird, besonders treffend. Er nutzt die literarischen Texte nicht, um sich wie ein Schauspieler „Auftritte“ zu verschaffen. Hauptdarsteller aller Parlando-Hörbücher ist die Sprache selbst mit ihren Brüchen, Zwischentönen, Abgründen, Höhepunkten.


Diese Bedachtheit, dieses Kunstverständnis und dieser Anspruch an die Arbeit an einem Text zeichnet auch die Zusammenstellung des Programms der Edition Parlando aus. Hier wird wie in kaum einem anderen Hörbuchverlag der kaufmännische Gedanke hinter den künstlerischen Anspruch zurückgestellt, hinter den Impetus, bedeutende Texte – politische wie die von Chomsky und Thoreau, literarische wie die von Rilke, Carver, Johnson, Flaubert - als Hörbuch zugänglich zu machen und sie somit auf neue Weise der Gegenwart zu erschließen.


Wenn „Parlando“ mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2005 in der Kategorie „Das besondere Hörbuch“ ausgezeichnet wird, dann schließlich auch dafür, daß diese Edition mit der Exzellenz ihrer Produkte nie aufgetrumpft, das Besondere vielmehr alltäglich erscheinen lässt. Auch damit haben Waltraud und Christian Brückner in der Geschichte des deutschen Hörbuches Maßstäbe gesetzt.


Thomas Böhm